Hans Sterneders autobiographische Romane – Teil 2

Hans Sterneders autobiographische Romane – Teil 2

Auf dem Rittergut


Nachdem wir Ihnen zu Beginn unserer Reihe Hans Sterneders ersten Roman „Der Bauernstudent“ vorgestellt haben, präsentieren wir Ihnen heute das zweite Werk, in dem der Dichter seinen Lebensweg nachzeichnet und sich seiner Jugendzeit auf dem ritterlichen Gut des Großvaters widmet.

Teil 2: DER SELTSAME WEG DES KLAUS EINSIEDEL

Meine genaue Lebensgeschichte und die Geschichte meines Geschlechtes“ (HANS STERNEDER)

12 Jahre nach dem Bauernstudenten war „Der seltsame Weg des Klaus Einsiedel“ bereits Sterneders neuntes Buch. Es erzählt von seinem Leben auf dem Gut des reichen Großvaters. Der Leipziger Staackmann-Verlag beschrieb den Roman zur Erstauflage 1933 so: „Die Geschichte eines jungen Mannes, der als Sohn einer Magd eine gesegnete Dorfkindheit verbringt, sodann im bunten Wechsel der Menschen und Begebnisse die Freuden des Gutslebens und die ganze Fülle einer hohen Kultur erlebt, völlig verarmt halb Europa durchirrt und schließlich, als ihm das Schicksal auf wundersame Weise eine treffliche Frau als Gefährtin zuführt, sich wiederfindet zu neuem, sieghaftem Leben.“ Der Freiburger Bauer-Verlag hob für die Neuauflage 1969 hervor: „In unserer Zeit der Verschiebung aller Maßstäbe, gibt dieses Buch uns durch die Schönheit der dichterischen Sprache nicht nur die Freude eines hohen Kunstgenusses, sondern es zeigt auch, dass der Einzelne in sich den Begriff für die Werte der Welt, in der er lebt, entwickeln muss.“

Hans Sterneder: Der seltsame Weg des Klaus EinsiedelDer seltsame Weg des Klaus Einsiedel“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der als uneheliches Kind einer Bauernmagd und eines Gutsbesitzersohnes in der ärmlichen Tagelöhnerhütte seiner Großmutter aufwächst und eines Tages in die strahlende und kultivierte Welt seines reichen Großvaters hineingestellt wird.

Hat er bis dahin das unbeschwerte Leben eines Dorfbuben geführt, so erlebt er nun die Freuden und Annehmlichkeiten, aber auch den kulturellen Hochgenuss des Lebens auf einem großen Rittergut. Wo er früher stundenlang zu Fuß zur Schule in der Stadt gehen musste, wird er nun mit der Kutsche gefahren. Was ihm früher die Obstgärten und Felder seines Heimatdorfes waren, werden ihm nun die Bibliothek und die Ländereien des herrschaftlichen Besitzes. War er als Kind ein armer Bauernbub, so wächst er nun hinein in das wohlausgestattete Leben des gehobenen Bildungsbürgertums.

Und Klaus Einsiedel genießt es in vollen Zügen. So wie er seine Kindheit inmitten der Natur genossen hat, so genießt er nun seine Jugendzeit inmitten von großartigen Kulturschätzen. Ob Malerei, Literatur oder Musik – begierig saugt er all die Kostbarkeiten in sich auf, die sein neues Leben ihm bietet. Als er seine Matura geschafft hat, scheint sein Glück perfekt zu sein. Eine sonnenüberstrahlte Zukunft scheint vor ihm zu liegen. Die Welt mit all ihren Kunstschätzen, Bildungseinrichtungen und Universitäten steht ihm offen.

Zwei Freunde hat der Mensch, die ewig treu, wahr und voll Liebe und Trost zu ihm sind: Die Natur und die Kunst. Dass diese beiden Freunde deine dauernden Lebensbegleiter bleiben mögen, dies wünscht dir … von ganzem Herzen dein dir aufrichtig gut gesinnter Hans Sterneder

Doch dann bricht mit harten Schlägen das Schicksal über Klaus Einsiedel herein und zertrümmert sein so sicher geglaubtes Glück. Zuerst stirbt der Vater, dann die Großmutter und kurz darauf auch der Großvater. Seine heile Welt zerbricht. Als sich dann auch noch herausstellt, dass das Gut hoch verschuldet und für Klaus nicht zu halten ist, liegt seine Welt endgültig in Trümmern.

Er kehrt zurück in das Dorf seiner Kindheit. Doch der Schmerz sitzt zu tief. Er kann dort nicht bleiben. Er zieht hinaus in die Welt und lässt sich als heimatloser Landstreicher quer durch Europa treiben. Nach zwei Jahren der Unrast kommt er nach Naumburg an der Saale und besucht den Dom, den sein Großvater so geliebt hat. In den kühlen Mauern dieses außergewöhnlichen Bauwerks mit seinen großartigen Stifterfiguren findet Klaus Einsiedel wieder Frieden, und als ihm dann bei einer Domführung der Industrielle Fritz Leuenroth und seine schöne Tochter Ingrid begegnen und er in ihr die ihm seit seiner Jugend immer wieder in seinen Träumen erschienene Rose zu erkennen glaubt, wandelt sich sein Leben erneut. Er macht sich auf den Heimweg, will seine Bestimmung finden und eines Tages seine schöne Rose zu sich holen.

Hans Sterneder blättert in einem Buch über den Naumburger Dom.

In der Sonderausgabe der Zeitschrift „Die Arve“ anlässlich von Hans Sterneders 60. Geburtstag 1949 nannte F. Dietrich das Klaus-Einsiedel-Buch „ein großes zusammenfassendes Gemälde seiner heimatlichen Landschaft, seiner Sippe und seines schicksalsreichen Lebens, damit gleichsam die erste Epoche seines kosmisch-religiösen Schaffens abschließend.“

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Hans Sterneder
Der seltsame Weg des Klaus Einsiedel
Hardcover, 380 Seiten
ISBN 978-3-940964-10-6
LINK zum Buch auf unserer Verlagshomepage

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Lesen Sie hier die weiteren Teile der Reihe „Hans Sterneders autobiographische Romane“:

Teil 1: DER BAUERNSTUDENT

Teil 3: DER SONNENBRUDER

Teil 4: DER WUNDERAPOSTEL (in Planung)

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